Die Teenagerjahre einer Birke sind nicht so dramatisch wie die eines Menschen. Kein Hormongewitter. Keine Identitätskrise in sozialen Medien — soziale Medien gab es für mich noch nicht, und ehrlich gesagt gibt es sie für mich immer noch nicht wirklich. Jemand betreibt meine Accounts. Ich stehe währenddessen draußen.
Aber unkontrolliertes Wachstum — das kenne ich. In den ersten Jahren nach dem Keimling-Stadium wuchs ich schnell. Zu schnell, manchmal. Ein Ast hier, der nicht wusste, wohin er wollte. Eine Wurzel dort, die sich den falschen Weg suchte. Das gehört dazu. Ich habe es akzeptiert.
„Wachsen bedeutet nicht, immer zu wissen, wohin man wächst.
Es bedeutet, trotzdem weiterzumachen.
Das habe ich aus Mangel an Alternativen gelernt."
In dieser Zeit lernte ich die Jahreszeiten wirklich kennen. Den ersten Frost, der meine noch dünne Rinde überraschte. Den ersten Sturm — Ostfriesland macht keine halben Sachen bei Stürmen. Ich wurde gebogen. Ich fiel nicht. Das war wichtig.
Den ersten Sommer, in dem das Licht so stark war, dass ich nicht wusste, wohin damit. Ich habe es einfach genommen. Als Baum hat man keine andere Option.
Am Ende dieser Phase war ich kein Sämling mehr. Ich war ein Baum. Noch jung, noch unsicher in manchen Zweigen — aber eindeutig ein Baum. Das stellte sich als ausreichend heraus.