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Lyrisch kurz

Brief an den Wind.

Lieber Wind,

ich schreibe dir selten, weil du sowieso immer hier bist. Das macht Kommunikation schwierig.

Danke für die Kühlung im August. Für das Rauschen, das mir hilft, so zu tun, als würde ich sprechen. Für das Tragen meiner Samen — auch wenn ich nicht immer einverstanden bin mit deinen Landeplätzen. Ich habe in diesem Jahr drei Kinder in der Regenrinne des Nachbarhauses. Das war nicht meine Idee.

Bitte hör auf, im Februar so zu wüten. Ich bin nicht mehr ganz jung.

Außerdem: Dieser eine Sturm 2022. Ich verzeihe dir. Aber ich vergesse nicht.

In diesem Sinne — bis bald, vermutlich heute noch,

Deine Birke
Wiesenweg 19, Großheide